werbetrommel

30. Juni 2006

bin durch einen kommentar auf WM Deutschland World Cup Germany A blog against Organized Football and KRAUT aufmerksam geworden. interessant fand ich den artikel Our Little Corner of the World. zu ergänzen bleibt noch das die situation gerade nach den gewonnenen D spielen besonders prekär war. so wurden die plakatwände inzwischen vom D mob beschädigt. aber halten wir uns an die positiven nachrichten. so soll es menschen geben die inzwischen über beactliche sammlungen an winkelementen verfügen die sehr kostenneutral angeschafft werden konnten.
aber ein abchreckendes beispiel zum schluss. neulich auf dem kiez in den frühen morgenstunden. ein augenscheinlich alkoholisiertes pärchen, optisch dem bummelstudenten millieu zuzuordnen versucht eine nationlfahne in höhe des 2. stocks zu rauben. räuberleiteraktion. es endet jedoch damit das die anfang 20erin in zwei meter höhe hilflos an der fahne baumelte welche nicht gedachte nachzugeben. traurig so etwas mit ansehen zu müssen.

der chinese im kinderbett

29. Juni 2006

aufmerksamen leserInnen meines blogs könnte aufgefallen sein das ich ein grosser fan der goldenen zitronen bin. da sich meine zugriffszahlen jedoch in der grössenordnung des normalen internethintergrundrauschens abspielen muss ich das wohl extra erwähnen.
die neue platte LENIN wurde ja in allen deutschsprachigen printmedien von jungle world bis welt, von märkische allgemeine bis spiegel sehr wohlwollend besprochen. eine angenehme ausnahme bildete da nur die rezension in der konkret. dort wurde ausgesprochen was ich auch dachte. die zitronen sind ruhiger geworden und die platte ist kein meilenstein sondern lediglich ein solides stück musik. also kein ausfall aber eben auch kein meisterwerk. mich persönlich stört das sie langsamer geworden ind und nicht mehr so verdichtet hysterisch. aber man kann ja nicht alles haben.
im rahmen der oben recherche fand ich auch heraus das SCHORSCH KAMERUN ein theaterstück geschrieben hat und das JENS RACHHUT mitspielt. aufgeführt wurde es im schauspielhaus zu hannover. mein interesse war geweckt und so machte ich mich mit zimborella auf den weg. unterwegs machten wir witze darüber das wir seid dem deutschuntericht in der schule (der schon einige zeit zurückliegt) nicht mehr im theater gewesen wären. dann kamen wir um fünf vor am falschen theater an, sprinteten durch die hannoveraner innenstadt zum richtigen. dort wurde uns der eintritt verwehrt. wir waren fünf minuten zu spät.
soviel zu unserem kurzen flirt mit der hochkultur.

„Schunkeln, singen, Fahnen schwingen“ – Offener Brief der Hamburger Studienbibliothek an die Redaktion der Jungle World

27. Juni 2006

und weiter geht die dokumentationswut. da eine google recherche mir zeigte das der text bisher nicht öffentlich abrufbar ist stelle ich den offenen brief „Schunkeln, singen, Fahnen schwingen“ – Offener Brief der Hamburger Studienbibliothek an die Redaktion der Jungle World hier rein. da er bestimmt wieder durch formatinkompatibilität leicht verzerrt sein wird gibt es ganz unten den text als PDF Datei. als chronisch fauler mensch habe ich keine lust das alles von hand zu korrigieren.

Hamburg, 27.6.2006
Liebe Jungle-World-Redaktion,

Es ist, wie Titanic es sagt: Nur wer ein Abo hat, kann auf den Tisch
hauen und „ich kündige“ rufen. Und die Hamburger Studienbibliothek hat
schon seit langem ein Jungle-World-Abo und mit dessen Kündigung eine
gute Einleitung zu diesem Offenen Brief:

„Schwarz-Rot-Gold, Schwarz-Rot-Gold, Schwarz-Rot-Gold. […] Geht’s
noch, liebe Landsleute?“, fragt Ihr auf der Titelseite der letzten
Jungle World-Ausgabe (25/06).
Es geht einiges – auch in der Jungle World.
Da wäre zunächst die Weltmeister-World-Seite mit dem fetten Maradona,
Pelé im Baströckchen und vielen weiteren verbalen Bierseligkeiten. Was
haben ‚wir’ gelacht, war ja schließlich auch nur eine Deutschland-Kritik
via Überaffirmation, oder?
Bei Lektüre der Disko kommen daran allerdings schon ernsthafte Zweifel
auf. Viel Quark wurde in dieser Rubrik bereits breitgetreten, eine
Diskussion unter dem Motto ‚Ist Deutschland nationalistisch – Pro und
Contra’ zu organisieren ist allerdings eine wohl bisher unübertroffene
Meisterleistung interessierter Naivität.
Die Krönung eures Schwarz-Rot-Goldenen Gesamtkunstwerks stellt
zweifellos Deniz Yücels Leitartikel „Schunkeln, singen, Fahnen
schwingen“ dar. Dass sich die Szenen, die sich aktuell in der
Jungle-Redaktion abspielen, wohl kaum von denen in anderen deutschen
Haushalten unterscheiden, das konnte man nach Lektüre der Home Story in
der Nummer 24 schon erahnen. Dass die Jungle-Fussballfans ihrem
Lesepublikum auch noch eine ausführliche politische Begründung für diese
Peinlichkeit servieren würden, das hätten wir bis zur letzten Woche
allerdings nicht gedacht.
Und diese Begründung macht contre coeur auch sofor klar, was am
deutschen Nationalismus besonders ist. Eingeleitet wird die
Beweisführung für Deutschland nämlich nicht mit Fakten, sondern mit dem
Bauchgefühl des Autors und mit familiären Autoritäten: „Es ist
beruhigend, dass Mama nicht beunruhigt ist. Auch ich muss gestehen, dass
ich nichts von der Aggression und der Beunruhigung verspüre, die mich
vor nicht allzu langer Zeit bei dem Anblick eines solchen
Fahnenaufgebots ergriffen hätten.“
Daraufhin wird der völkische Nazi-Buhmann, der „unschöne Szenen“
produziert, als Ausdruck *des* deutschen Nationalismus präsentiert, um
dann eine Kaskade von *unschuldigen* Fragen zu stellen: „Gibt es noch
immer einen Grund, den deutschen Nationalismus im Besonderen abzulehnen,
einen Grund, der darüber hinausgeht, dass der Nationalismus hierzulande
uns mehr beschäftigen muss als ein Nationalismus anderswo? Handelt es
sich bei diesem Wandel nur um Propaganda? Haben, zumindest auf absehbare
Zeit, Rassismus und Antisemitismus, tatsächlich die Aussicht, von einer
Stammtisch-Folklore zur Staatsideologie zu werden? Künden die Reibereien
zwischen Deutschland und den USA von künftigem Unheil? Ist das deutsche
(besser: europäische) Grenzregime, so inhuman es ist, wirklich rassistisch?“
Wer so fragt, hat die Antwort schon parat: „All dies zu verneinen,
bedeutet jedenfalls nicht zwingend, sich im Autokorso einzureihen.“
Wenn erst einmal „ein paar Nazis“, die Euch immerhin vor ein paar Wochen
noch zu einem Titelbild mit Baseballschläger veranlasst haben,
staatstragend antifaschistisch zum nationalistischen Restposten
deklariert sind, kann die europaweite Durchsetzung der deutschen
Ideologie auch nur noch gegen ihre Existenz sprechen: „auch politisch
entstand etwas anderes als ein »Viertes Reich«. Andere westliche Staaten
schlossen sich der deutschen Politik auf dem Balkan an, die
nationalsozialistische Vergangenheit wurde nicht entsorgt, sondern zum
Kernbestand einer neuen nationalen Identität erhoben.“
Wenn man also einen ‚Krieg wegen Auschwitz’ und ein paar „Reibereien
zwischen Deutschland und den USA“ nicht für den Ausdruck deutschen
Nationalismus und nur Horst Mahler oder evtl. noch Martin Hohmann für
Antisemiten hält, wird vielleicht auch der folgende Satz verständlich:
„wer sich als Antisemit zu erkennen gibt, wird in den Medien mit einer
Einhelligkeit kritisiert, die noch die Einhelligkeit übertrifft, die
beim Ruf nach einem »Umbau des Sozialstaates« zu hören ist.“ Die
Protagonisten der deutschen Nahostpolitik oder der ‚kontroverse’
Schriftsteller Martin Walser können mit diesem Satz logischerweise nicht
gemeint sein.
„Ist es nicht bemerkenswert, dass zahlreiche Deutsch-Türken,
Deutsch-Araber etc. sich am munteren Fahnenschwenken beteiligen?“ Ein
Schelm, wer böses dabei denkt. Als hätte die deutsch-arabische
Freundschaft auf gemeinsamer antizionistischer Grundlage nicht eine
lange Tradition; als wären türkische Teestuben nicht seit eh und je
deutsch-türkisch beflaggt und als würde dieser Patriotismus bei einem
Überfall durch entspannte Deutsche den Opfern irgendetwas nützen.
Eine weitere Antwort auf die Frage ‚Was ist deutsch?’ liefert der Text
in – welche Überraschung – einer weiteren *Frage*: „Ist die Begeisterung
für die WM und für die deutsche Nationalmannschaft viel mehr als
(halborganisierte, halb spontane) Partylaune?“ Genau diese Frage stellen
sich Oliver Geissen, Helmut Karasek und viele andere nationale
Entertainer im Fernsehen tagtäglich. Die Antwort lautet: natürlich
nicht, denn was soll politisch daran sein, die Zugehörigkeit zu einer
nationalen Gemeinschaft zu feiern? Der deutsche Nationalismus war schon
immer unpolitisch. Mit Marx könnte man sagen, dass die nationale
Borniertheit in Deutschland mit der Illusion, doch *nur* eine kleine
Volksgemeinschaftsparty zu feiern, denjenigen Nationalitäten
entgegengehalten wird, die ihre nationale Borniertheit und ihr Beruhen
auf wirklichen Interessen offen eingestehen.
So weit, so schlecht, damit aber nicht genug. Denn nachdem die
nationalen Fragen scheinbar beantwortet sind, meldet sich das soziale
Gewissen: „Es sind dies nicht die einzigen Fragen, die man dieser Tage
stellen kann. Eine etwas aus der Mode gekommene linke Tradition besteht
darin, nach Klassen zu fragen, wenn einer von der Nation daherredet.
Doch aufschlussreich könnte es sein.“ Man könnte. Gerade jetzt, wo die
meisten Antideutschen brave Liberale geworden sind. Dafür müßte man aber
wissen, dass die Kritik der Religion und damit der Nation die
Voraussetzung aller Kritik ist. Deniz Yücel hat das vor gar nicht
allzulanger Zeit gewußt und es ist immer wieder erschütternd zu sehen,
dass sich das sozialdemokratische Mitmachbedürfnis spätestens seit 1914
immer in den Momenten regt, an denen sich der deutsche Nationalismus am
unverblümtesten zeigt.
Und dementsprechend ist eine ‚Kritik’, die feststellt, „dass die Grenze
nicht zwischen Kreuzberg und Marzahn verläuft, sondern zwischen
Kreuzberg/Marzahn und dem Grunewald. Dort, wo das Berliner Bürgertum
wohnt […], erblickt man eher einen Gartenzwerg im Vorgarten als eine
deutsche Fahne. Jede Wette, dass eine quantitative Studie folgende
Formel bestätigen würde: Je Stütze, desto Fahne. Es sind gerade
diejenigen, die auf eine Alimentierung durch den Staat angewiesen sind,
die sich an seine Symbole klammern, obwohl sie von ihm immer weniger zu
erwarten haben.“
Was soll das sein? Ein Plädoyer für eine revolutionären
Stadtteilpartnerschaft Kreuzberg-Marzahn? Vorausgesetzt, man will sich
und anderen die nationale Party nicht verderben, bleibt von dieser Art
Kapitalismusanalyse eigentlich nur noch der Vorwurf an die
Globalisierungsgewinner aus dem Grunewald, sie seien nicht patriotisch
genug.

Nur eine Frage bleibt uns noch: War diese Ausgabe der (wohl zum
Scheitern verurteilte) Versuch, sich ein paar Sprungbretter für coole
Karrieren zwischen Eventmanager und Bildzeitungsredakteur zu basteln
oder schreibt ihr auch noch gratis für Deutschland?

Sincerely yours,
Hamburger Studienbibliothek

P.S.: „Die Schmach noch schmachvoller …“ – Ihr wißt schon: Anbei zur
Dokumentation noch einmal das gesamte Winkelement von Seite 4:

http://jungle-world.com/seiten/2006/25/7957.php

Nummer 25 vom 21. Juni 2006

Schunkeln, singen, Fahnen schwingen
Deutschland, Deutschland! Über den Fußball und die Fahnen. von deniz yücel

Wenn man nicht mehr weiter weiß, kann man immer noch Mama fragen. Mama
sagt: »Die deutschen Fahnen machen mir nichts aus. Damals, als die
Deutschen sich vereinigt und auch noch im Fußball gewonnen haben, war es
schlimm. Da hatte ich bei jeder Fahne das Gefühl: Die richtet sich gegen
die Unsrigen. Das ist jetzt anders. Die Çeviks von gegenüber haben sogar
die deutsche Fahne gehisst. Und meine kleine Enkelin hat sich die Wangen
schwarz-rot-gold bemalt. Ist doch okay.«

Es ist beruhigend, dass Mama nicht beunruhigt ist. Auch ich muss
gestehen, dass ich nichts von der Aggression und der Beunruhigung
verspüre, die mich vor nicht allzu langer Zeit bei dem Anblick eines
solchen Fahnenaufgebots ergriffen hätten. Sogar die Gewohnheit, aus
vorauseilender Schadenfreude und vorbeugender Pogromabwehr der deutschen
Mannschaft immerzu ganz unsportlich Pest, Cholera und das Vorrundenaus
an den Hals zu wünschen, hat sich verflüchtigt, ich ertappe mich sogar
dabei, ihrer unterhaltsamen, man möchte fast sagen: undeutschen
Spielweise Lob zu zollen.

Dabei gibt es in meiner Erinnerung (und ich denke: nicht nur in meiner)
ein Bild, das deutschen Rassismus und deutsche Erfolge im Fußball
verdichtet: der berühmte feixende Deutsche nämlich, der beim Pogrom von
Rostock-Lichtenhagen im Herbst 1992 fotografiert wurde, mit der linken
Hand die Bierdose umklammernd, die rechte zum Hitlergruß erhoben, mit
vollgepinkelter Jogginghose und gehüllt in das gleiche Trikot, in dem
Matthäus-Klinsmann-Völler zuvor Weltmeister geworden waren.

Der Übergang von der deutschtümelnden Vereinigungseuphorie zum
rassistischen Mord und Totschlag war fließend vonstatten gegangen, mit
einigem Recht durften sich die Neonazis als Vollstrecker dessen
betrachten, was alle dachten und wollten, nämlich die »Asylantenflut« zu
stoppen. Derweil überwand Deutschland die Nachkriegszeit, und in einem
atemraubenden Tempo schien eine politische und moralische Beschränkung
nach der anderen zu fallen. Das Land meldete Ansprüche an, künftig in
aller Welt mitzureden und notfalls auch einzumarschieren.

»Wir sind über Jahre nicht mehr zu besiegen. Es tut mir leid für den
Rest der Welt, aber es ist so«, prahlte der damalige Teamchef Franz
Beckenbauer nach dem Sieg im Finale von Rom im Jahr 1990, und für mich
und meinesgleichen, die in diesem »Wir« entweder gar nicht vorgesehen
waren oder sich lieber als »Rest der Welt« denn diesem »Wir« zugehörig
verstanden wissen wollten, war es niederschmetternd und furcht­erregend,
dass manches dafür sprach, diese großkotzige Ankündigung könne leider
nicht nur im Fußball wahr werden.

Es kam anders. Hristo Stoitchkov und Yordan Letchkov, später noch mal
Davor Suker belehrten Beckenbauer gottlob eines besseren, auch politisch
entstand etwas anderes als ein »Viertes Reich«. Andere westliche Staaten
schlossen sich der deutschen Politik auf dem Balkan an, die
nationalsozialistische Vergangenheit wurde nicht entsorgt, sondern zum
Kernbestand einer neuen nationalen Identität erhoben.

Die Einwanderer mögen zwar immer noch Gegenstand von sozialtechnischen
Maßnahmen sein, aber daran, dass sie zu diesem Land gehören, zweifelt
niemand mehr, außer ein paar Nazis. Und wer sich als Antisemit zu
erkennen gibt, wird in den Medien mit einer Einhelligkeit kritisiert,
die noch die Einhelligkeit übertrifft, die beim Ruf nach einem »Umbau
des Sozialstaates« zu hören ist. Andererseits kann bei vollem Verstande
auch niemand behaupten, das Gegenteil wäre wünschenswerter.

Was aber folgt daraus? Gibt es noch immer einen Grund, den deutschen
Nationalismus im Besonderen abzulehnen, einen Grund, der darüber
hinausgeht, dass der Nationalismus hierzulande uns mehr beschäftigen
muss als ein Nationalismus anderswo? Handelt es sich bei diesem Wandel
nur um Propaganda? Haben, zumindest auf absehbare Zeit, Rassismus und
Antisemitismus, tatsächlich die Aussicht, von einer Stammtisch-Folklore
zur Staatsideologie zu werden? Künden die Reibereien zwischen
Deutschland und den USA von künftigem Unheil? Ist das deutsche (besser:
europäische) Grenzregime, so inhuman es ist, wirklich rassistisch? All
dies zu verneinen, bedeutet jedenfalls nicht zwingend, sich im Autokorso
einzureihen.

Natürlich, wer das hässliche Deutschland sucht, wird es auch in diesen
Tagen finden. Sicher gibt es unschöne Szenen, und vermutlich wird es
davon noch mehr geben. Sicher titeln die Dröhndeutschen von der
Bild-Zeitung »schwarz-rot-geil« und verfasst Franz-Josef Wagner in
Fraktur »Liebesbriefe an Deutschland«. Aber sind diese Dinge wirklich
charakteristisch für die derzeitige Stimmung? Ist die Begeisterung für
die WM und für die deutsche Nationalmannschaft viel mehr als
(halborganisierte, halb spontane) Partylaune?

Wäre es nicht ebenfalls befremdlich, wenn die Gastgeber eines solchen
Spek­takels nicht feiern, hupen und mit Wimpeln herumwedeln würden?
Sehen deutsche Sozialpädagoginnen in brasilianischen Tops und deutsche
Studenten mit England-Fahnen wirklich vorteilhaft aus? Ist es nicht
bemerkenswert, dass zahlreiche Deutsch-Türken, Deutsch-Araber etc. sich
am munteren Fahnenschwenken beteiligen? Sind Odonkor, Asamoah, Klose,
Podolski und Neuville nicht ein passabler Ausdruck davon, dass die
völkische deutsche Nation sich allmählich zu einer republikanischen wandelt?

Es sind dies nicht die einzigen Fragen, die man dieser Tage stellen
kann. Eine etwas aus der Mode gekommene linke Tradition besteht darin,
nach Klassen zu fragen, wenn einer von der Nation daherredet. Doch
aufschlussreich könnte es sein.

Gewiss wehen in Kreuz­berg oder Neukölln neben deutschen Fahnen auch
zahlreiche andere. Wer aber in diesen Tagen durch Berlin fährt, wird
feststellen, dass die Grenze nicht zwischen Kreuzberg und Marzahn
verläuft, sondern zwischen Kreuz­berg/Marzahn und dem Grune­wald. Dort,
wo das Berliner Bürgertum wohnt (gut, sagen wir: wo die Berliner mit
Patte wohnen), erblickt man eher einen Gartenzwerg im Vorgarten als eine
deutsche Fahne. Jede Wette, dass eine quantitative Studie folgende
Formel bestätigen würde: Je Stütze, desto Fahne. Es sind gerade
diejenigen, die auf eine Alimentierung durch den Staat angewiesen sind,
die sich an seine Symbole klammern, obwohl sie von ihm immer weniger zu
erwarten haben.

In der vorigen Woche wurde endgültig die Erhebung der Mehrwertstuer
beschlossen, die größte Anhebung einer allgemeinen Verbrauchssteuer in
der bundesdeutschen Geschichte. Zugleich wurde darüber beraten, die
Unternehmenssteuer zu senken. Und vielleicht wird noch vor dem WM-Finale
eine Gesundheitsreform beschlossen, die eine schon stattfindende
Entwicklung beschleunigen wird, nämlich dass man es den Leuten wieder an
den Zähnen ansehen wird, aus welchen Verhältnissen sie kommen. Niemand
wird mit einem verfaulten Gebiss Weltmeister. Aber vielleicht lässt
einen das eine das andere vergessen. Ein paar Wochen lang zumindest.

Und ich gestehe: Auch ich habe in den letzten Tagen aufgeregter über
deutsche Fahnen und afrikanischen Fußball geredet als darüber, dass
Lebbe nicht nur weitergeht, sondern teuer wird.

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Hamburger Studienbibliothek e.V.
Hospitalstrasse 85, 22767 Hamburg
Tel.: +49-40 18 99 08 00
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\"Schunkeln, singen, Fahnen schwingen\" – Offener Brief der Hamburger Studienbibliothek an die Redaktion der Jungle World

McGuffin-WM-Notausgabe

24. Juni 2006

angesichts der schlimmen zustände hab ich das mal hier hochgeladen. ist nicht von mir.

Endlich darf man so richtig gutdeutsch sein und Flagge zeigen. Die Männerfußball-WM 2006 macht’s möglich, Deutschland reiht sich ein in die bunte Kette der Fahnen der Welt.
Deutsch stand seit 1945 für Leichen und Tod, Niederlage und Schande. Die Deutschen trauerten nicht um die Ermordeten, denn sie hatten aus innerster Überzeugung getötet, und deutsch hielten sie weiterhin für ein lebensnotwendiges Organ ihres Körpers. Trotzdem konnten sie nicht so laut rumtönen mit ihrem Nationalstaat, den es nach Auschwitz nicht mehr hätte geben dürfen, oder mit den gleich zwei Stück davon. Jahrzehnte haben sie als gemeinsames Projekt von links und rechts um ein „unbefangenes“ Verhältnis zu ihrer Nation gerungen, was 1999 dank deutsch-rot-grün in den ersten Angriffskrieg nach 1945 mündete. 61 Jahre nach Kriegsende gilt deutsch auf Stolzland zu sein nun als cool. Das Projekt des wiedererstarkten, wiedervereinigten Deutschlands seit 1990 erfährt seine innere Vollendung. Wie es dort drinnen aussieht, führen die grölenden Trupps schwarz-rot-gold bemalter Jungmänner und –mädels ebenso vor wie die FamilienausflüglerInnen zur Großbildleinwand mit deutschlandfarbenen Blumenketten und ebensolchen Trikots. Stolz und aggressiv und nicht freudig sind sie Fans von Deutschland. Spaß hat da niemand. Und wer gar keinen haben will, bekommt, was den Miesmachern gebührt: mindestens auf die Fresse. Gewinnt die deutsche Nationalmannschaft wird dementsprechend nicht gefeiert, sondern spaßpogromt. Die Gewalt ist allgegenwärtig. Schließlich ist seit 1954 der Fußballplatz ein Ersatz für die fehlenden Siege auf dem Feld der Ehre. Männerfußball ist eine ernste Angelegenheit und nach Volk kommt Fan. In der gezwungenen Lässigkeit der Deutschfarben steckt bereits die Drohung: „Wir sind weltoffen patriotisch, nicht trotz sondern wegen unserer Vergangenheit – also kommt uns bloß nicht frech“! Deswegen sollten die Gäste es tunlichst vermeiden den Krieg zu erwähnen, könnten sich doch die so völkerverständigen, gastgebenden Freunde in ihrer Unbefangenheit gestört fühlen. So don’t mention the war, mention the wall! Denn was wurde da alles weggelitten in der Vergangenheit um heute so herrlich normal Gast zu geben.
Die McGuffin Foundation, die sich seit ihrer Gründung gegen den patriarchalen und nationalistischen Backlash wendet, wurde trotz ihrer jahrelangen Kritik am Bestehenden von Umfang und Qualität des derzeitigen schwarzrotgoldenen Kollektivwahns erschüttert. Der vorliegende Kassiber ist eine Art Notwehrmaßnahme, um nicht hilflos und ohnmächtig im Deutschfahnenmeer zu ersaufen. Eine individuell zu bewältigende Anzahl erigierter Autofensterfahnen lässt sich sicher mit einer emanzipatorischen Handbewegung abschaffen. Zur Kommentierung des lästigen Restes stellt diese Notausgabe eine kleine Auswahl an Erste-Hilfe-Aufkleberkopiervorlagen und –vorschlägen bereit.

Den Deutschen alles Schlechte
wünscht die McGuffin Foundation.

(23.06.2006)

3Ausdruck-Empfehlung: Die ersten 6 Seiten auf normalem Papier, die dann folgenden oder die gewünschte Auwahl daraus auf nicht-vorgeschnittenen Din-A-4-Etiketten oder Gummierpapier ausdrucken.
Mc Guffin WM Notausgabe

british airways get off the air!

19. Juni 2006

da hatte ich einen flug von sevilla über london nach HH gebucht. dachte mir 21. jhdt alles easy. hab schön in sevilla eingecheckt, hab auf meinen rucksack so nen transfer kleber bekommen, HH über gatewick damit mein gepäck den weg auch findet.
dann in gatewick angekommen und aus irgendwelchen gründen war ich ein wenig nervös und habe am serviceschalter noch mal nachgefragt ob ich alles richtig verstanden hätte. da erfahre ich dann das ich mein gepäck selber von gatewick nach heathrow schleppen muss und das mein rucksack erst einmal lokalisiert werden müsste da ich in sevilla einen falschen afkleber bekommen hätte. also warte ich ne dreiviertel stunde bis mein rucksack wieder auftaucht und dann ab zum shuttel bus. und da die nächste überraschung.
„sie benötigen ein ticket. BA zahlt nicht mehr für den bus. ich würde nicht mit BA fliegen“ meint der typ am ticketschalter. ich so „ok was macht das und kann ich in euro zahlen“
„ja, das macht 30 (!!!!!!) euro. hier zwei pfund und 18 pence wechselgeld. kaufen sie sich einen kaffe.“
dann noch die zeitumstellung (in london gehen die uhren eine stunde nach) verpeilt und panikattacke in heathrow. irgendwie mit meinem kompletten gepäck ohne boarding im gate bereich gelandet. das war aber ledigich etwas unkomfortabel. dann verzögerung beim start wegen gewiter und sturmwarnung und dann auf in den turbulentesten flug denn ich je hatte. saublödes doitsches pärchen neben mir „bla bla WIR spielen ja am donnertag gegen bla bla“
dann noch die freuden des ausser kraft gesetzten schengen abkommens erlebt. und dann endlich von gleich drei netten leuten mit auto empfangen und auf in die city ins fahnenmeer…

¡¡¡granada rockt!!!

11. Juni 2006

gestern abend mal einen bummel durch die verschiedenen kneipen gemacht. das klingt jetzt vielleicht strange aber in sevilla ist es unueblich musik in kneipen zu haben und somit ist es auch unueblich musik kneipen zu haben. und die die es gibt sind teure snoblaeden mit scheissmusik. hier ist das anders. war in MEHREREN metal bars, habe mein gesamtes verschuettetes heavy metal wissen zusammengekratzt um mir auch die richtigen lieder zu wuenschen (@ZIMMERMEYER: MACHINE head – davidian. remember dynamo 95 und vor ein paar jahren in stemwede im disko zelt) und die wurden auch prompt gespielt. sogar den neuen song von slayer hatten sie da. gelernt das es eine deutsche schule auf den kanaren gibt. aber nicht verstanden warum die person dahingegangen ist. lustiges deutsch/spanisch/englisch gleichzeitig im selben satz sprechen von allen beteiligten.
darueber habe ich ganz aus den augen verloren noch in die gothic bar UNTOTEN zu gehen. dabei wollte ich schauen ob sie an den BAREN BIEREN verkaufen bzw weiteren nonsense auf deutsch verbreiten.
dann heute besichtigung des UNESCO weltkulturerbes ALBACIN. das ist ein stadtteil von granada, auf einem berg gelegen und mit blick auf die alhambra. super chick. verwirrende gassen schlaengeln sich den berg hoch, klare luft strahlen blauer himmel, also gute sich bei nur 32′ machten es ertraeglich. trotzdem irgend wann vollkommen fertig und durchgeschwitzt oben auf dem berg bei nem platz angekommen wo gerade ein country duo mit muesliklampfe und mundharmonika PERSONAL JESUS zum besten gaben. das war doch recht phatt. danach ab es noch weitere an jonny cash erinnernde canciones. dann weiter und im mir eigenen groessenwahn erst auf dem gelaende der ehemaligen stadtmauer (hochoben auf einem bergruecken ueber allem, steiler hang, kakteenfelder, nur trampelfade) in eine sackgasse manoevriert. dann versucht den berg auf dem die alhambra liegt zu umrunden. waere vielleicht theoretisch mit trecking ausruestung moeglich. also irgendwann irgendwo in der pampa gescheitert und entgegen meinen ehernen prinzipien (vorwaerts immer, rueckwaerts nimmer!) umgekehrt. danach zufaellig in einen anderen tourist hotspot geraten. granada gefaellt mir ausgesprochen gut!
und heute abend geht es dann zu french toast (the queers ist mir zu teuer, von versierten wurde mir aber von beiden konzerten abgeraten) morgen dann im bus zurueck nach sevilla, uebermorgen orgen geht der flieger nach london und dienstag abend duerft ihr mich dann mit einer grossen jubelparade empfangen!

kurz ergaenzt

10. Juni 2006

ich habe mal einen aelteren beitrag mit einem bild ergaenzt. der triumph des todes von bruegel dem aelteren. der vollstaendigkeit halber setze ich das hier auch noch mal rein.
bruegel der aeltere - der triumph des todes

dies und jenes

na dann lass ich mich mal weiter zu granada aus. das ist hiert eine sehr schicke in eher bergiger umgebung gelegene stadt. im gegensatz zu sevilla gibt es hier eine sehr ausgepraegte fallafel kultur. lecker, billig, sehr viele verschiedene laeden. gestern war ich auf einem punkkonzert in einem besetzten haus. asseln, zecken, koeter, alles da. bloss keine deutschpunks aber jede menge schlappiros. die ersten beiden bands waren allerletzte kajuete, ich habe aus zwei gruenden kein bier getrunken:
1. da ich krank bin
2. da es nur unterirdische dosenploerre fuer 1 Oi! die buechse gab. also eine frechheit.
es wurde den gesamten abend ueber „becher“ aus 1.5 liter flaschen geschnitzt. andere laender andere sitten. die dritte band wusste dann zu unterhalten. drei jungspunds die ziemliche solide uninnovativen uffta punk runtergedroschen haben. seit 77 nicht viel passiert. aber den mob hat es begeistert. dann auf dem rueckweg leicht gefroren. unter 25 grad bin ich einfach nicht mehr gewohnt.
vorgestern waren ueber 38 grad und ein t rockener staubiger wind der auch noch mit irgendwelchen pollen angereichert war. das hat sich mit jedem atemzug tief in die schleimhaeute gefraest. es war so unertraeglich das ich den nachmittag in einem kaufhof like kaufhaus verbracht habe.-> air condition!
gestern hat es dann zum glueck geregnet. und wir haben nur noch angenehme 30 grad.
morgen gibt es ZWEI konzerte die mich interessieren. einerseits french toast (ex the make up, nation of ulysses, fugazi…) und andererseits the queers. was soll ich bloss machen?
ansonsten gibt es hier eine ziemlich phatte graffitie scene. die gesamte stadt ist mit qualitativ hochwertigen pieces gepflastert.

GRANADA

9. Juni 2006

coole stadt. mir geht es gut bis auf erkaeltung und bescheidene finanzen. leider nur noch fuenf tage.

der taegliche rapport

6. Juni 2006

heute dann mal die privatsammlung thyssen + namen von adelsfamilie gecheckt. tolle unzusammenhaengende scheisse. nennen sie einen ueber metha ober kuenstler den jede kennt. wir haben EIN bild. mal davon abgesehen das mich die hollaendische landschaftsmalerei aus dem 17 jhd schon immer toetlich gelangweilt hab habe ich heute die these aufgestellt: kunst zwischen 1500 und 1850 aus europa ist einfach langweilige scheisse. highlights waren magritte, dali, lionel feininger (zwei bilder!), edward hopper und die gesamte bagage aus dem dunstkreis von der bruecke und dem blauen reiter. also ernst ludwig kirchner. gaugin war irgendwie nicht so spannend was sie so da hatten. ach was soll es. ansonsten dann doch anna karenina von tolstoy gekooft und angefangen im retiro park im schatten unter einem baum zu lesen. allerding auf englisch. morgen nacht geht es dann nach granada