ein heisser auftakt

24. Januar 2006

geschrieben am 19.01. um etwa 6 uhr morgens
Erster Eintrag:
Ich sitze gerade seid einiger Zeit im frühstücksraum der jugendherberge in sevilla. Ich wurde gerade von der feuerwehr vom balkon meines zimmers gerettet.
Aber fangen wir doch vielleicht etwas früher an. Da ich aufgrund meiner Wohnungslosigkeit und allgemeinen desorientierung viel durch die stadt irre schmerzten mir heute abend sehr die füsse und ich beschloss in der herberge in meinem luxoriösen drei bett zimmer zu bleiben. Gemäss meiner Vorsätze ging ich gegen 23 zu bett, nachdem ich ein stück papier in die tür geklemmt hatte damit ich nicht afzustehen brauchte wenn die Zimmergenossinnen zurückkehren würden.
Das erste mal erwachte ich als ein Vogel aus Argentinien irgendwann erschien, krach machte und nachdem ich aus reiner Höflichkeit meinte, das mich das Licht nicht stören würde, noch ewig rumwurschtelte und mir naturgemäss auf den wecker fiel. Noch später erschien dann jakob aus polen, davon nahm ich aber wenig notiz.
Als ich dann das dritte mal erwachte blickte ich verschlafen zur decke und fand es doch sehr dunstig im zimmer, auch das geschrei der anwesenden spanischen schulklassen kam mir zu der uhrzeit unangemessen vor. Dann realisierte ich das wohl etwas nicht in ordnung ist. Auch der junge mann aus argentinien (ich reduziere ihn auf seine nationalität da er das auch tat) wirkte zusehends nervöser. Dann merkten wir beide: Feuer! Es brennt. Der qualm wurde zusehends dichter und wir zusehends unruhiger. Schnell, wo sind die klamotten. Hose finden, schuhe an, jacke anziehen… Aber was ist mit jakob? Er schläft noch!!! Also gerüttelt, versucht durcheinaner schreiend, der andere auf spanisch und englisch, ich auf englisch und deutsch. Wir begannen unsere habe zu retten, aber wohin? Tür auf, ganz viel qualm, nichts zu sehen, tür schnell wieder zu. Auf den balkon! Schnell die paar klamotten retten die ich habe. Dann erst den kleinen rucksack mit dem notebook auf den balkon, dann zurück rein. Schnell den anderen grosen rucksack. Es gibt kein licht, der qualm wird immer dichter, auf den balkon, wieder rein, versucht sachen aus dem schrank zu klauben. Absolut nichts mehr zu sehen ausser dem hellen loch, das wohl die offene balkontür war. Dann auf dem balkon festgestellt das es sehr ungünstig wäre wenn alles verbrennen würde. Der typ aus südamerika hat in seiner panik alles gepackt was er im raum noch greifen konnte. Auch bettlaken und die nachttischlampe, jakob hat nichts ausser seiner jacke und seinen schuhen, ich wenigstens die wichtigen sachen. Dann geht die panik weiter: wir stehen au dem balkon, können die situation nicht einschätzen, wir müsen die balkontür schliessen da dichte rauchschwaden aus der tür quellen. Auch durch die geschlossene tür kommt noch jede menge rauch. Wir sehen aus allen zimern links von uns sogar noch grössere rauchschwaden. Zwei balkone weiter stehen auch noch menschen, einen rechts von uns ebenfalls aber ansonsten sehen wir im innenhof vor allem leute in panik, irgendwelch sachen auf spanisch schreiend hin und her laufen, vor allem aber raus aus dem innenhof. Der junge mann, der nicht jakob ist, fängt an seine sachen von balkon zu schmeissen (2. stock, etwa 12 meter, vielleicht weniger auf jeden fall viel zu viel zum springen. Wir stehen nun auch auf dem balkon in dichten rauchschwaden. Der argentinier beginnt bettlaken zusammenzknoten, gibt das wieder auf, wir versuchen untereinander klären ob wir uns in lebensgefahr befinden, oder nicht und was wir machen sollen. Mein kopf sagt nein, abwarten, es wird wohl hilfe kommen, meine zitternden knie und meine restlichen gefühle sagen mir: ich muss hier raus.
Dann endlich kommen offiziös ausehende menschen und rufen:“tranquilo, tranquillo“ und ganz viel andere sachen die ich nicht verstehe. Das bestärkt mich aufzuhören darüber nachzudenken wie ich mit meinen beiden rucksäcken (ich denke materialistisch!) am gebäude heruntergeklettert komme.dann nach ewigkeiten erscheinen bomberos (feuerwehr), noch später sehe ich das leitern in den innenhof geschleppt werden. Dann wird logischerweise begonnen zuerst die leiter am wesentlich gefähdeteren balkon links von uns aufzubauen. Aber warum zum teufel können sie die leiter bei uns nicht einfach zeitgleich erichten!?!?! Unsere situation ist immer noch sehr unkomfortabel. Wir stehen in dem qualm der sehr dicht aus dem beiden zum balkon führenden türen entweicht. Dann endlich die leiter, verwirrt warten wir ab, versuchen sie irgendwie entgegenzunehmen, können die gesten nicht deuten ob wir zupacken sollen oder die finger davon lassen. Dann erste absprachen, wer geht zuerst? Ich biete generös anderen den vortritt an obwohl weder frauen nocht kinder zu gegen sind. Da das die anderen aber auch so halten ist somit nichts gewonnen. Dann steigt ein bombero hoch. Bindet die leiter mit einer schnur am geländer fest und hilft uns auf die leiter, erst der argentinier, dann ich, dann jakob. Meinen orangenen rucksack lasse ich mit meinen kompletten anziehsachen. Zurück. Denn: ich habe mich nicht getraut ihn vom balkon zu schmeissen, meinen schlafsack habe ich aber noch vorher über board geworfen. Man kann ja nie wiessen wie es weitergeht.Wackelig steige ich die leiter herunter, beobachte von unten was weiter passiert. An sich nichts was ich nicht schon von unten gesehen hätte. Dann werden wir von einem polizisten (? Es scheint hier drei verschiedene sorten zu geben) zum sammelpunkt geleitet und dann passierterst einmal lange nichts.
Aber hier sind ein paar aufmunternde scenen zu beobachten. Wir haben s garnicht so schlecht getroffen. Wir haben schuhe an, wir haben unsere jacken und alle haben wenigstens die wirklich wichtigen sachen mitnehmen können. Andere im pyjama können leider nichts ausser ihrem notebook an die brust drücken. Dann frieren, abhängen und lästern. Wo sind die getränke, warum werden wir nicht von sanitätern befragt etc. irgendwann bekommn die ärmsten wenigstens decken ausgeteilt.
Dann grosses meeting im frühstücksraum. Da der strom noch komplett ausgeschaltet ist wurden bedeutend wirkende halogenstrahler aufgebaut. Es ist inzwischen 4 h und ich schätze das etwa 80 leute im saal sind. Es wird sich des buffets bemächtigt, das herumstehende wasser verteilt etc. Durch die anwesenden spanischen schulklassen kommt schnell pyjama party feeling auf, es wird irgendwem ein geburtstag ständchen gesungen, flamencoesk geklatscht und ausserdem mit den geretteten notebooks rumgepost (nein zu diesem zeitpunkt war meines noch im rucksack). [an dieser stelle brechen die aufzeichnungen ab. Nicht etwa weil unser autor zu schaden gekommen waere sondern vielmehr da zwei stunden akku laufzeit erreicht waren.]
Ein paar Tage später noch unemotionaler ergänzt. Wir mussten dann bis etwa 10 uhr im frühstücksraum ausharren. Man hätte auch ab etwa 6:30 h in irgendwelchen zur verfügung gestellten zimmern nächtigen können. Jakob und ich entschieden sich jedoch dafür lieber aufzubleiben. Dann die erste besichtigung: treppe hoch, der flur komplett dunkel da die elektrik logischerweise abgeschaltet war. Dann an drei ausgebrannten zimmern vorbei, decken konstruktion, kabelkanäle, lampen etc von der decke gerissen. Dann unser zimmer: alle sachen mit einer braun, grauen dreckschicht bedeckt, auch im schrank etc. Jeder gegenstand hinterlässt einen deutlichen negativabdruck seiner selbst. Hardware abgewischt, alle klamotten in einen plastiksck gepackt und auf herbergskosten reinigen lassen. Bereits am nächsten tag hatte ich die sachen sauber und trocken zurück. Alles in allem also sehr glimpflich ausgegangen.
ergänzung 30.01.06 13h
kleine ergänzung augrund der nachfragen. der brand wurde wohl von einer nicht sachgemäss gelöschten zigarettenkippe ausgelöst. verschuldet hat das wohl ein 72 jger opa, der anscheinend auf seinem zimmer geraucht hat [und ich bin immer auf den balkon…].
da das feuer dann wohl recht fix out of control war konnte sich jener opa dann nur durch einen sturz aus dem fenster im zweiten stock retten. dabei hat er sich nicht unerhebliche verletzungen zu gezogen. wie es ihm inzwischen geht weiss ich nicht.
das entnahm ich alles einem zeitungsartikel den ich müevoll mit einem dictionary in der hand wort für wort entzifferte. die aussage der herbergsleitung „die sicherheitsvorkehrungen haben alle funktioniert“ liess auch kurzzeitig den wunsch in mir aufkeimen einen leserbrief zu schreiben in dem ich nachfragen wollte ob funktionerende sicherheit bedeutet das sich die hostel gäste selberretten bis die feuerwehr eintrifft, oder aber ob damit das simle rufen der feuerwehr gemeint war. da ich aber ein sehr phlegmatischer mensch bin habe ich es dann gelassen.

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